Adventskalender 14. Dezember

Den Adventskalender 2019 habe ich für meine Tochter geschrieben – die ich hier im Paradies leider nur selten sehe … Hinter jedem Türchen verbirgt sich eine Weisheit, die ich ihr – und jedem, den es interessiert – gerne mit auf den Weg geben möchte. Sie selbst hat mich dazu inspiriert, als sie mich hier in Bali im Sommer gefragt hat, wie das mit dem Glücklich sein eigentlich geht. Lange habe ich darüber nachgedacht, wie ich ihr das erklären soll. Dieser Adventskalender ist meine Antwort darauf!

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„Keine Angst vor der Angst“ oder „Aus Angst wird – Mut!“

Zwei Wurzeln des Menschen gibt es, aus denen heraus uns die meisten Probleme erwachsen. Eine dieser Wurzeln ist ANGST. 

Schon Kinder haben Angst – vor der Dunkelheit, vor dem Alleine Sein. Du, mein Schatz, hattest immer Angst vor den Monstern draußen vor dem Fenster – ich hab’ sogar das große Fenster aufgemacht als Du klein warst, um Dir zu zeigen, dass die Monster verschwunden sind … Angst zu haben, ist vollkommen normal, nahezu alle Menschen haben Angst und müssen lernen, mit der Angst umzugehen. Aber wie bei allem im Leben steckt auch in den vermeintlich schlechten Dingen immer irgendwo ein nützlicher, guter Kern. So auch in der Angst.

Für unsere Vorfahren war die Angst überlebensnotwendig! Weil sie Angst hatten, sind sie vorsichtig in unbekanntes Gebiet vorgedrungen, denn es gab Höhlenbären und Säbelzahntiger dort … ihre Vorsicht konnte ihnen das Leben retten. Es ist also keine Schande Angst zu haben! Manche unserer Ängste kommen aus diffusen Quellen, die wir oft nicht mehr nachvollziehen können – quasi sogar noch aus der Steinzeit … Warum hat z.B. ein Mensch Arachnophobie – Angst vor Spinnen?! Oder Klaustrophobie – Angst in geschlossenen Räumen?! Manche dieser Ängste bringt man schon mit in dieses Leben. Und dann brauchen wir vielleicht auch genau diese Angst, um auf unserem Weg das zu erreichen, was wir uns vorgenommen haben. Wir tun folglich gut daran, uns diese Bestie „Angst“ einmal genau anzuschauen.

Im Internet gibt es einen herrlichen kleinen Film, den ich liebe (den Film, findest Du hier: https://www.facebook.com/asfilm/videos/10153358922155142/): Eine Frau hat Angst und weicht immer zurück, bis die Angst als ein zähnefletschender Wolf vor ihr steht, bis sie die Angst richtig ERKENNEN kann. Und da auf einmal nimmt sie Anlauf und rennt schreiend auf diese Bestie zu – und diese löst sich damit in Luft auf! Herrlich! Du siehst, mein Schatz, Angst zu haben, ist o.k. Sich aber von seinen Ängsten bezwingen lassen, das ist nicht o.k., denn dann übernehmen unsere Ängste die Kontrolle über unser Leben. Man sollte genau hinschauen: Was ist es wirklich, vor dem ich Angst habe?! Und sobald ich das weiß, sobald ich meiner Angst ein Gesicht gegeben habe, wird dieses Gefühl der Angst zu Mut!

Beispiel: Lampenfieber! Hab’ ich eigentlich immer gehabt – bin nie auf eine Bühne gegangen, ohne dieses verdammte Lampenfieber. Lampenfieber ist die Angst vor dem Versagen, die Angst nicht gut genug zu sein, die Angst vom Publikum nicht geliebt zu werden. Viele große Künstler hatten diese Angst! Man weiß, dass Maria Callas oft noch hinter der Bühne vor Lampenfieber gekotzt hat! Luciano Pavarotti hat den Gang auf die Bühne einmal genannt die „Gola di Lupo“ – den Wolfsrachen. Doch diese große Angst ist wie ein Motor für manche Menschen, extreme Leistungen zu erbringen! Es ist ein sehr konkreter Moment, in dem man diesen Wolfsrachen vor sich sieht: Wenn es im Konzertsaal still wird, und dunkel. Und dann musst Du los laufen. Auftritt. Raus, vor das Publikum, rein in den einsetzenden Applaus. Niemand kann Dir jetzt helfen – jetzt bist Du ganz allein. Nachdem mich das Lampenfieber oft schon Tage vorher grausam geschüttelt hatte, war genau das der Moment, in dem die Angst zu Mut wurde: Eine riesengroße Angst wurde zu riesengroßem Mut! Und dieses riesengroße Gefühl holt das Allerbeste aus Dir heraus, was Du in diesem Moment geben kannst! 

Du darfst Angst haben, mein Schatz! Es ist o.k.! Angst und Mut sind die zwei Seiten einer großen Medaille. Doch wenn Du vor etwas Angst hast – schau Deiner Bestie in die Augen und dann dreh sie um, diese Medaille. Und lauf los! Der Angst entgegen. Du wirst sehen – die Bestie Angst wird ein zahmes Schoßkätzchen und Dir am Ende vielleicht sogar noch nützlich sein!