2018_03_16 Die Ogoh-Ogohs tanzen in Bali!

2018_03_16 Die Ogoh-Ogohs tanzen in Bali!

Im Bali-Paradies begann der heutige, laut Saka-Kalender letzte, Tag des Jahres 1939 schon vor Sonnenaufgang mit langen, rituellen Gesängen der Priester im Tempel. Schön ist das, noch so im Halbschlaf im Bett zu liegen und diesen pentatonischen, alten Melodien zu lauschen! Heute ist also „Tawur Kesanga“, Balinesisches Silvester! Und was tut man traditionell an Silvester? Richtig! Feiern und Krach machen! Die tief gläubigen Balinesen treiben heute alle Dämonen aus ihren Häusern und aus ihrer Umgebung, um möglichst rein von schlechten Einflüssen in das neue Jahr zu starten. Seit ca. 3 Tagen schon finden vor allem an den Küsten große Reinigungszeremonien (Melasti) statt, denn die Balinesen glauben, dass die Dämonen aus dem Meer kommen. Heute gehen alle Dorfbewohner traditionell mit großem Getöse durch jeden Winkel ihrer Häuser und Gärten, am besten noch mit Feuer und Rauch, damit die Dämonen aufgeschreckt werden. Dämonen können nur schnurgerade Wege gehen und treffen sich folglich auf den geraden Hauptstraßen. Bildlich wird das dargestellt, indem vorwiegend junge, unverheiratete Männer und Frauen große Pappmaché-Figuren in Form von Dämonen unter viel Getöse in Form eines Umzugs durch das Dorf tragen. Diese Figuren nennt man Ogoh-Ogohs und sie sehen wahrlich schauerlich aus!

Natürlich wollte ich mir dieses Spektakel heute nicht entgehen lassen und brach gegen 16:30 Uhr mit einigen Gästen auf, um zunächst den Umzug in unserem Dorf Sambirenteng zu sehen. FAST wären wir zu spät gekommen, weil kurz davor noch ein satter Regenschauer nieder ging. Auf der Hauptstraße schien das gesamte Dorf auf den Beinen zu sein! Und dann sahen wir sie: Große Ogoh-Ogohs, gruselig anzusehen, montiert auf stabile Bambusgestänge und getragen von ganzen Trupps junger Männer! Vergleichbar vielleicht mit unseren Vereinsumzügen, schleppt jeder „Vereinstrupp“ „seinen“ Ogoh-Ogoh, der in der letzten Zeit in Gruppenarbeit mühsam angefertigt wurde, die Dorfstraße hinauf und wieder hinunter. Sogar Kindergruppen präsentierten stolz „ihren“ Ogoh-Ogoh, zwar kleiner als jene der Erwachsenen, aber mit nicht weniger Herzblut hergestellt und mit gewaltigem Selbstbewusstsein herumgetragen! Sambirenteng hatte nur einen „kleinen“ Umzug – ich jedoch fand ihn schon sehr beeindruckend. Vor allem hat mir die mitreißende Begeisterung gefallen, mit der die jungen Leute zu ohrenbetäubend lauter Musik, mal im Gamelan-Stil andere wieder mit balinesischer Pop-Musik, unter Aufbietung aller Kräfte die Ogoh-Ogohs förmlich tanzen und sich im Kreis drehen ließen! Obwohl die Straßen gesperrt waren, sorgten Ordnungspolizisten für einen geregelten Ablauf der ganzen Veranstaltung. Motorräder und Autos konnten immer wieder am Umzug vorbeifahren und wurden durchgelassen. Nachdem „unser“ Umzug beendet war, brachte uns ein Fahrer freundlicherweise mit dem offenen Pick-Up in das nächstgrößere Dorf Tejakula, weil der dortige Umzug die größten und schönsten Ogoh-Ogohs hier in der Gegend aufzubieten hatte. Da sich in Bali nahezu nahtlos ein Dorf an das andere reiht, sahen wir auf dem Weg sogar noch die Umzüge der anderen Dörfer und wurden vom Publikum auf den gesäumten Straßen gleich selber als Ogoh-Ogohs beklatscht und bejubelt.

Tatsächlich gab es in Tejakula sehr viel mehr Ogoh-Ogohs und sie waren zum Teil wahrlich prächtig ausgestattet! Da läßt man sich wirklich viel einfallen! Bewegliche Elemente an den Figuren, enorm viel laute Musik zwischen den einzelnen Gruppen und direkt bei den Ogoh-Ogohs, bildschöne Mädchen als Fahnenträger und in der Abenddämmerung eine geschickte Beleuchtung der Ogoh-Ogohs, was die Fratzen der Dämonen schier zum Leben zu erwecken scheint! Ganz balinesisch, hat man dabei alle Zeit der Welt: Wenn der Umzug stockt, wird der Ogoh-Ogoh eben einfach abgesetzt, die ganze Gruppe setzt sich direkt auf den Boden und wartet, bis es weiter geht. Tempelgongs wurden in den Gamelanorchestern mitgeführt, die einen unerbittlichen Takt für das ganze Schauspiel lieferten – und ganz Bali schien auf den Beinen zu sein, zu jubeln, zu schreien, zu feiern und Ogoh-Ogohs tanzen zu lassen!

Leider sind wir nicht mehr rechtzeitig durch das Gewühl auf den Straßen zurück nach Sambirenteng gekommen, um „unsere“ Ogoh-Ogohs am Abend brennen zu sehen. Sie werden nämlich nach dem Umzug in den Tempel gebracht und rituell geehrt, bevor man sie am Meer verbrennt und ihre Asche dem Ozean übergibt! Noch immer höre ich die Gesänge der Priester im nahen Tempel – denn: Bei dem ganzen Spektakel darf man nicht vergessen, dass die Balinesen das alles nicht aus Jux und Dollerei veranstalten, sondern aus jenem tiefen Glauben heraus, der ihnen allen zu eigen ist!

Heute wird wohl noch die Nacht hindurch gefeiert. Denn: Morgen früh um 6 ist Schluß damit! Stille! Wenn die Dämonen aus dem Meer zurück kehren, dürfen sie keine Menschenseele mehr auf der Insel erblicken! Morgen ist in Bali der „Silent Day“, der „Tag der Stille“, der erste Tag des neuen Jahres! Ich bin gespannt, wie ich so ganz ohne Mobiltelefon, Computer, Internet, Telefon, TV und Licht am Abend auskommen werde … (weitere Infos zum Nyepi Day hier: https://paradiesblog.de/weltweit-einmalig-der-stille-tag-in-bali)

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